IP20 erklärt: Bedeutung, Schutz und Einsatzbereiche

Die Schutzart IP20 findet man häufig bei elektrischen Geräten und Komponenten in trockenen, geschützten Bereichen. Typische Beispiele sind Netzteile, Steuerungen und andere Bauteile im Schaltschrank.

IP20 bietet Schutz gegen Berührung und größere feste Fremdkörper, jedoch keinen Schutz gegen Wasser.

Was bedeutet IP20?

Die Kennzeichnung IP20 besteht aus den Buchstaben „IP“ und zwei Zahlen:

  • 2 = Schutz gegen feste Fremdkörper ab 12,5 Millimetern und gegen den Zugang mit einem Finger
  • 0 = kein definierter Schutz gegen Wasser
KennzeichnungBedeutung
IPInternational Protection
2Schutz gegen feste Fremdkörper ab 12,5 mm
0kein definierter Wasserschutz

Die Einteilung basiert auf der IEC 60529 beziehungsweise DIN EN 60529. Wie IP20 im Vergleich zu höheren Schutzarten einzuordnen ist, zeigt die Übersicht zu IP20, IP44, IP54, IP65, IP67 und weiteren IP-Schutzarten.

Wovor schützt IP20?

IP20 verhindert, dass größere feste Fremdkörper in das Gehäuse gelangen. Gleichzeitig schützt die Bauweise vor dem direkten Berühren gefährlicher Teile mit dem Finger.

Keinen Schutz bietet IP20 gegen:

  • Tropfwasser
  • Spritzwasser
  • Strahlwasser
  • Untertauchen
  • feinen Staub

Sobald Feuchtigkeit oder stärkere Staubbelastung auftreten, sollte eine höhere Schutzart geprüft werden.

Wo wird IP20 eingesetzt?

IP20 ist vor allem für trockene Innenbereiche geeignet, in denen elektrische Komponenten zusätzlich durch ein Gehäuse geschützt sind.

Typische Einsatzbereiche sind:

  • Schaltschränke
  • Steuerungsanlagen
  • elektrische Verteilungen
  • Technikräume
  • geschützte Maschinenbereiche
  • Netzteile innerhalb von Gehäusen

Nicht nur die Schutzart der einzelnen Komponente ist dabei relevant. Auch Schaltschrank, Maschinengehäuse oder Gerätegehäuse übernehmen einen Teil des Schutzes.

IP20 im Schaltschrank

Im Schaltschrank ist IP20 weit verbreitet. Die eingebauten Komponenten befinden sich bereits in einem geschlossenen Gehäuse und benötigen deshalb häufig keinen besonders hohen eigenen IP-Schutz.

Typische Bauteile sind:

  • DIN-Schienen-Netzteile
  • Relais
  • Sicherungen
  • Steuerungen
  • Reihenklemmen
  • Schaltgeräte

Bei DIN-Schienen-Netzteilen im Schaltschrank ist IP20 daher eine übliche Ausführung.

Die Schutzart des Schaltschranks selbst muss jedoch zur Umgebung passen. In einer trockenen Produktionshalle gelten andere Anforderungen als in Bereichen mit Staub, Feuchtigkeit oder regelmäßiger Reinigung.

IP20 bei industriellen Netzteilen

Viele industrielle Netzteile werden direkt im Schaltschrank montiert. Dort kann IP20 ausreichen, sofern das umgebende Gehäuse den notwendigen Schutz übernimmt.

EinbausituationTypische Anforderung
geschlossener SchaltschrankIP20 kann ausreichend sein
offene Maschinenumgebungmeist höherer Schutz erforderlich
feuchte ProduktionsumgebungWasserschutz notwendig
staubige Umgebunghöherer Fremdkörperschutz sinnvoll
AußenbereichIP20 in der Regel ungeeignet

Ein höherer IP-Wert ist nicht automatisch besser. Ein stärker geschlossenes Netzteilgehäuse kann beispielsweise die Wärmeabfuhr erschweren.

Wann reicht IP20 nicht aus?

IP20 ist ungeeignet, wenn elektrische Komponenten direkt mit Feuchtigkeit, Staub oder anderen Umwelteinflüssen in Kontakt kommen können.

Das betrifft zum Beispiel:

  • Bereiche mit Spritzwasser
  • Anlagen mit Nassreinigung
  • staubintensive Produktionsbereiche
  • offene Maschinenkonstruktionen
  • Außenanwendungen
  • feuchte Technikräume

In solchen Fällen muss die Schutzart an die tatsächliche Belastung angepasst werden.

IP20 vs. IP44

IP44 bietet mehr Schutz als IP20.

MerkmalIP20IP44
Fremdkörperab 12,5 mmab 1 mm
WasserschutzkeinerSpritzwasser
Typischer Einsatztrockener InnenbereichBereiche mit möglichem Spritzwasser

Wenn Feuchtigkeit nicht sicher ausgeschlossen werden kann, ist IP44 meist die passendere Wahl.

IP20 vs. IP65

Der Unterschied zu IP65 ist deutlich größer.

MerkmalIP20IP65
Fremdkörperschutzab 12,5 mmstaubdicht
WasserschutzkeinerStrahlwasser
Typischer Einsatzgeschützter InnenbereichIndustrie, Maschinen, teilweise Außenbereich

IP65 kommt dort zum Einsatz, wo Staub vollständig ferngehalten werden soll und Strahlwasser auftreten kann.

Wird eine Stromversorgung direkt in feuchten, staubigen oder witterungsexponierten Bereichen montiert, können entsprechend ausgelegte IP67-Netzteile für Industrie und Außenbereich besser zur Anwendung passen. Welche Wasserbelastung tatsächlich zulässig ist, richtet sich dabei nach der jeweiligen Schutzart und den konkreten Herstellerangaben.

Ist IP20 für den Außenbereich geeignet?

In der Regel nicht.

Im Außenbereich können Regen, Kondensation, Staub, Temperaturschwankungen und UV-Strahlung auftreten. IP20 bietet dafür keinen ausreichenden Schutz.

Zusätzlich zum IP-Wert sollten hier auch Temperaturbereich, UV-Beständigkeit und Korrosionsschutz berücksichtigt werden.

IP20 und Schutzklasse sind nicht dasselbe

Schutzart und Schutzklasse beschreiben unterschiedliche Eigenschaften.

SchutzartSchutzklasse
Schutz gegen Berührung, Fremdkörper und WasserSchutz gegen elektrischen Schlag
Beispiel: IP20Beispiel: Schutzklasse I oder II
bezieht sich auf das Gehäusebezieht sich auf elektrische Schutzmaßnahmen

Ein Gerät kann gleichzeitig IP20 und Schutzklasse I oder II besitzen.

Bei der Auslegung elektrischer Geräte müssen deshalb neben der IP-Schutzart auch Schutzklasse, Erdung und Leckströme berücksichtigt werden.

Welche Schutzart ist die richtige?

Ob IP20 ausreicht, hängt vor allem von der Einbausituation ab.

Wichtig sind diese Fragen:

  1. Ist die Komponente innerhalb eines geschlossenen Gehäuses montiert?
  2. Kann Wasser an das Gerät gelangen?
  3. Gibt es Staub oder andere feste Partikel?
  4. Ist die Komponente offen zugänglich?
  5. Wird die Anlage regelmäßig gereinigt?
  6. Befindet sich das Gerät im Innen- oder Außenbereich?

Ist die Komponente trocken und geschützt eingebaut, kann IP20 ausreichen. Bei Wasser, Staub oder offenem Einbau sollte eine höhere Schutzart gewählt werden.

Häufige Fragen zu IP20

Was bedeutet IP20?

IP20 schützt gegen feste Fremdkörper ab 12,5 Millimetern und gegen den Zugang mit einem Finger. Einen definierten Schutz gegen Wasser gibt es nicht.

Ist IP20 wasserdicht?

Nein. IP20 besitzt keinen ausgewiesenen Wasserschutz.

Ist IP20 für den Innenbereich geeignet?

Ja. IP20 eignet sich vor allem für trockene, geschützte Innenbereiche.

Kann IP20 im Schaltschrank verwendet werden?

Ja. Bei elektrischen Komponenten innerhalb geschlossener Schaltschränke ist IP20 weit verbreitet.

Ist IP20 staubdicht?

Nein. Vollständige Staubdichtheit wird erst mit der ersten Kennziffer 6 erreicht.

Was ist besser: IP20 oder IP44?

IP44 bietet zusätzlichen Schutz gegen Spritzwasser und kleinere Fremdkörper. Ob dieser Schutz nötig ist, hängt von der Umgebung ab.

Was ist besser: IP20 oder IP65?

IP65 ist staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt. Für trockene, geschützte Innenbereiche kann IP20 dennoch vollkommen ausreichend sein.

Wann ist IP20 die richtige Wahl?

IP20 passt vor allem zu elektrischen Komponenten in trockenen, geschützten Innenbereichen. Bei Netzteilen im Schaltschrank ist diese Schutzart deshalb häufig völlig ausreichend.

Sobald Feuchtigkeit, starke Staubbelastung oder eine offene Installation hinzukommen, sollte eine höhere Schutzart geprüft werden. Bei Netzteilen für industrielle Anwendungen müssen Schutzart, Einbauort und Gehäuse daher zusammen betrachtet werden.



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