Schutzarten einfach erklärt: IP20 bis IP69 im Überblick

Ob Netzteil, Maschine oder elektrische Baugruppe: Sobald Staub, Feuchtigkeit oder Wasser ins Spiel kommen, wird die passende Schutzart wichtig. Die IP-Kennzeichnung zeigt, wie gut ein Gehäuse gegen Berührung, feste Fremdkörper und Wasser geschützt ist.

Sie besteht aus den Buchstaben IP und zwei Kennziffern, etwa IP20, IP44, IP65 oder IP67. Die erste Zahl beschreibt den Schutz gegen Berührung und feste Fremdkörper, die zweite den Schutz gegen Wasser.

Grundlage dafür ist die IEC 60529 beziehungsweise DIN EN 60529.

Wie liest man einen IP-Code?

Nehmen wir IP65 als Beispiel:

  • 6 = staubdicht
  • 5 = geschützt gegen Strahlwasser

Die beiden Zahlen stehen also für unterschiedliche Schutzwirkungen.

BestandteilBedeutung
IPInternational Protection
Erste ZifferSchutz gegen Berührung und feste Fremdkörper
Zweite ZifferSchutz gegen Wasser

Erste Kennziffer: Berührungs- und Fremdkörperschutz

Erste ZifferSchutz gegen feste Fremdkörper
0kein besonderer Schutz
1Fremdkörper ab 50 mm
2Fremdkörper ab 12,5 mm
3Fremdkörper ab 2,5 mm
4Fremdkörper ab 1 mm
5staubgeschützt
6staubdicht

Zweite Kennziffer: Schutz gegen Wasser

Zweite ZifferWasserschutz
0kein besonderer Wasserschutz
1senkrecht fallendes Tropfwasser
2Tropfwasser bei geneigtem Gehäuse
3Sprühwasser
4Spritzwasser
5Strahlwasser
6starkes Strahlwasser
7zeitweiliges Untertauchen
8Untertauchen unter festgelegten Bedingungen
9Wasser bei hohem Druck und hoher Temperatur

Bei IPX8 lohnt sich ein Blick in die technischen Angaben des Herstellers. Eintauchtiefe und Prüfdauer sind nicht für jedes Produkt identisch.

Die wichtigsten IP-Schutzarten im Überblick

SchutzartSchutz gegen FremdkörperWasserschutzTypische Anwendung
IP20ab 12,5 mmkeinergeschützte Innenräume, Schaltschränke
IP44ab 1 mmSpritzwassergeschützte technische Bereiche
IP54staubgeschütztSpritzwasserWerkstätten, Produktion
IP55staubgeschütztStrahlwasserindustrielle Umgebung
IP65staubdichtStrahlwasserIndustrie, Außenanwendungen
IP66staubdichtstarkes Strahlwasseranspruchsvolle Industrieumgebung
IP67staubdichtzeitweiliges Untertauchenfeuchte Bereiche, Außenanwendungen
IP68staubdichtUntertauchen unter definierten Bedingungenspezielle Nassbereiche
IP69staubdichtHochdruck- und Hochtemperatur-Wasserstrahlenintensive Reinigungsverfahren

Was bedeuten IP20, IP44, IP54, IP65, IP66, IP67 und IP68?

IP20

IP20 schützt gegen feste Fremdkörper ab 12,5 Millimetern, bietet aber keinen definierten Wasserschutz. Typisch ist diese Schutzart für trockene Innenbereiche, etwa für Komponenten innerhalb eines geschlossenen Schaltschranks.

IP44

Bei IP44 sind Fremdkörper ab 1 Millimeter und Spritzwasser berücksichtigt. Das reicht für viele geschützte technische Bereiche aus, bei stärkerer Staubbelastung oder Wasserstrahlen jedoch nicht.

IP54

IP54 bietet Schutz gegen Staub in schädigender Menge und gegen Spritzwasser. Man findet diese Schutzart häufig in Werkstätten und Produktionsumgebungen, in denen weder vollständige Staubdichtheit noch Schutz gegen starke Wasserstrahlen erforderlich sind.

IP65

IP65 steht für ein staubdichtes Gehäuse mit Schutz gegen Strahlwasser. Das macht diese Ausführung für zahlreiche Industrieanwendungen, Maschinenumgebungen und bestimmte Außenbereiche interessant.

Für Untertauchen ist IP65 dagegen nicht ausgelegt.

IP66

Auch IP66 ist staubdicht. Im Unterschied zu IP65 hält das Gehäuse stärkeren Wasserstrahlen stand. Das kann bei intensiveren Reinigungsprozessen oder stärkerer Witterungsbelastung erforderlich sein.

IP67

IP67 verbindet vollständigen Staubschutz mit Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen unter definierten Prüfbedingungen.

Bei Stromversorgungen spielt das unter anderem dann eine Rolle, wenn Netzteile dezentral an Maschinen, in feuchten Bereichen oder im Außenbereich installiert werden. Dafür kommen entsprechend ausgelegte IP67-Netzteile für Industrie und Außenbereich infrage.

IP68

IP68 bedeutet ebenfalls vollständigen Staubschutz. Zusätzlich ist das Gehäuse für Untertauchen unter festgelegten Bedingungen ausgelegt.

Wichtig ist dabei: IP68 bedeutet nicht, dass ein Produkt unbegrenzt und in beliebiger Tiefe wasserdicht ist. Welche Eintauchtiefe und Dauer zulässig sind, ergibt sich aus den jeweiligen Produkt- und Prüfbedingungen.

Was bedeutet IP69?

IP69 betrifft den Schutz gegen Wasserstrahlen mit hohem Druck und hoher Temperatur.

Das ist vor allem dort relevant, wo Maschinen und Komponenten regelmäßig intensiv gereinigt werden, etwa in bestimmten Bereichen der Lebensmittelproduktion, Fahrzeugtechnik oder industriellen Fertigung.

Die Bezeichnung IP69K stammt aus einem anderen Normkontext und ist daher nicht einfach mit IP69 gleichzusetzen. Bei Anwendungen mit hohen Anforderungen an die Reinigung sollten immer die konkrete Norm und die jeweilige Prüfung betrachtet werden. Das gilt auch für Kabel und Steckverbindungen in besonders anspruchsvollen Nassbereichen.

IP54 vs. IP65

Der Unterschied zwischen IP54 und IP65 betrifft sowohl Staub als auch Wasser.

MerkmalIP54IP65
Staubstaubgeschütztstaubdicht
WasserSpritzwasserStrahlwasser
Typische Umgebunggeschützte Industrieumgebungstärkere Staub- und Wasserbelastung

Wenn Staub vollständig ferngehalten werden muss oder Strahlwasser auftreten kann, ist IP65 die robustere Lösung. In einer geschützten Umgebung kann IP54 dagegen völlig ausreichen.

IP65 vs. IP67

Beide Schutzarten sind staubdicht. Beim Wasserschutz unterscheiden sie sich jedoch deutlich:

  • IP65: Schutz gegen Strahlwasser
  • IP67: Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen unter definierten Prüfbedingungen

IP67 ist deshalb nicht pauschal „besser“ als IP65. Es kommt darauf an, welcher Wasserbelastung das Produkt tatsächlich ausgesetzt ist.

Welche IP-Schutzart benötigen Sie?

Die passende Schutzart lässt sich nicht allein anhand einer möglichst hohen Zahl auswählen. Entscheidend sind Einbauort und reale Umgebungsbedingungen.

Vor der Auswahl sollten Sie deshalb prüfen:

  1. Gibt es Staub oder feste Partikel?
  2. Tritt Spritz- oder Strahlwasser auf?
  3. Wird die Anlage mit Hochdruck gereinigt?
  4. Kann das Produkt zeitweise unter Wasser geraten?
  5. Befindet sich die Komponente in einem zusätzlichen Schutzgehäuse?
  6. Treten zusätzlich Öl, Chemikalien, UV-Strahlung oder extreme Temperaturen auf?

Trockene Innenräume

In trockenen und geschützten Bereichen kann IP20 ausreichen. Das gilt insbesondere für elektrische Komponenten, die innerhalb eines geeigneten Schaltschranks montiert sind.

Maschinen und Produktionsanlagen

In Produktionsumgebungen reicht die Spanne deutlich weiter. Je nach Staub, Feuchtigkeit und Reinigung können IP54, IP55, IP65 oder IP66 sinnvoll sein.

Eine allgemeingültige Mindestschutzart für Industrieanlagen gibt es daher nicht.

Außenanwendungen

Im Außenbereich ist die IP-Kennzeichnung nur ein Teil der Auswahl. Hinzu kommen Faktoren wie UV-Strahlung, Temperatur, Kondensation, Korrosion und mechanische Belastung.

Ein Gerät mit hoher IP-Schutzart ist deshalb nicht automatisch für einen dauerhaften Außeneinsatz geeignet.

Welche Schutzart benötigen Netzteile?

Bei industriellen Netzteilen hängt die erforderliche Schutzart stark davon ab, wo das Netzteil montiert wird.

EinbausituationTypische Anforderung
geschlossener Schaltschrankhäufig geringere IP-Anforderung
offene Maschinenumgebungerhöhter Staub- und Feuchtigkeitsschutz
Außenbereichhoher Staub- und Wasserschutz plus Witterungsbeständigkeit
NassbereichSchutz entsprechend der Wasserbelastung
Reinigungsbereichgeeigneter Schutz gegen Strahl- oder Hochdruckwasser

Ein Netzteil innerhalb eines geschlossenen Schaltschranks braucht beispielsweise meist keinen so hohen eigenen Schutzgrad wie eine Stromversorgung, die direkt an einer Maschine oder im Außenbereich montiert wird.

Neben der IP-Schutzart gehören auch Ausgangsspannung, Leistung, Temperaturbereich, Kühlung, Wirkungsgrad und Zulassungen in die Auswahl.

Mehr Schutz ist dabei nicht immer von Vorteil. Ein stark gekapseltes Gehäuse kann die Wärmeabfuhr erschweren. Sinnvoll ist daher die Schutzart, die zur tatsächlichen Anwendung passt.

Welche Rolle spielt die Schutzart bei Netzleitungen und Steckverbindungen?

Bei industriellen Netzleitungen sollte die IP-Schutzart nicht isoliert auf das Kabel bezogen werden. In der Praxis zählt das gesamte Verbindungssystem.

Dazu gehören unter anderem:

  • Steckverbinder
  • Geräteeinführungen
  • Kabelverschraubungen
  • Dichtungen
  • Gehäuseanschlüsse

Ein gut geschütztes Gehäuse hilft wenig, wenn an der Kabeldurchführung oder Steckverbindung Wasser eindringen kann.

Bei kundenspezifischen Anschlussleitungen nach Maß sollten deshalb Leitung, Steckverbinder, Dichtung und Geräteanschluss gemeinsam auf die spätere Einsatzumgebung abgestimmt werden.

Schutzart und Schutzklasse: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe Schutzart und Schutzklasse werden häufig verwechselt, meinen aber unterschiedliche Dinge.

MerkmalSchutzartSchutzklasse
BeispielIP65Klasse I, II oder III
ZweckSchutz vor Fremdkörpern und WasserSchutz gegen elektrischen Schlag
Typische KennzeichnungIP67Schutzleiter- oder Doppelisolierungssymbol

Die IP-Schutzart beschreibt, wie das Gehäuse gegenüber äußeren Einwirkungen geschützt ist. Die Schutzklasse bezieht sich dagegen auf den Schutz des Menschen vor elektrischem Schlag.

Ein Gerät kann also gleichzeitig IP65 und Schutzklasse II besitzen. Bei der Auslegung elektrischer Geräte spielen deshalb neben der IP-Kennzeichnung auch Schutzklasse, Erdung und mögliche Leckströme eine Rolle.

Ist eine höhere IP-Schutzart automatisch besser?

Nein.

Eine höhere Schutzart kann sinnvoll sein, wenn die Umgebung sie verlangt. Sie kann aber auch Nachteile mit sich bringen, etwa:

  • schlechtere Wärmeabfuhr
  • aufwendigere Konstruktion
  • höhere Kosten
  • erschwerte Wartung
  • kompliziertere Anschlüsse

Für ein Netzteil im geschlossenen Schaltschrank kann eine niedrigere Schutzart daher technisch sinnvoller sein als eine vollständig gekapselte Ausführung.

Welche Grenzen hat die IP-Kennzeichnung?

Die IP-Schutzart deckt nicht alle Anforderungen ab, die in einer industriellen Umgebung relevant sein können.

Keine automatische Aussage trifft sie beispielsweise über:

  • UV-Beständigkeit
  • Öl- und Chemikalienbeständigkeit
  • Korrosionsschutz
  • Stoß- und Vibrationsfestigkeit
  • Temperaturbereich
  • Explosionsschutz
  • elektrische Schutzklasse

Diese Eigenschaften müssen separat anhand der Anwendung und der technischen Daten geprüft werden.

Häufige Fragen zu IP-Schutzarten

Was bedeutet IP?

IP steht für International Protection. Die Kennzeichnung beschreibt den Schutz eines Gehäuses gegen Berührung, feste Fremdkörper und Wasser.

Ist IP65 wasserdicht?

IP65 schützt gegen Strahlwasser, nicht gegen Untertauchen.

Ist IP67 wasserdicht?

IP67 schützt unter definierten Prüfbedingungen gegen zeitweiliges Untertauchen. Ein dauerhafter Unterwassereinsatz lässt sich daraus nicht ableiten.

Ist IP68 immer besser als IP67?

Nein. IP68 beschreibt Schutz beim Untertauchen unter festgelegten Bedingungen. Welche Schutzart besser geeignet ist, hängt vom konkreten Einsatz ab.

Was ist besser: IP65 oder IP67?

IP65 ist auf Strahlwasser ausgelegt, IP67 auf zeitweiliges Untertauchen. Entscheidend ist, welche Wasserbelastung tatsächlich auftreten kann.

Welche Schutzart eignet sich für den Außenbereich?

Das lässt sich nicht nur anhand der IP-Kennzeichnung beantworten. Zusätzlich sind beispielsweise UV-Strahlung, Temperatur, Kondensation und Korrosion zu berücksichtigen.

Ist Schutzart dasselbe wie Schutzklasse?

Nein. Die Schutzart beschreibt den Schutz gegen äußere Einwirkungen. Die Schutzklasse betrifft Maßnahmen zum Schutz vor elektrischem Schlag.

Zusammengefasst

IP-Schutzarten erleichtern die Auswahl elektrischer Geräte und Gehäuse, weil sie schnell erkennen lassen, welcher Schutz gegen Fremdkörper, Staub und Wasser vorgesehen ist.

Für industrielle Anwendungen reicht es jedoch nicht, einfach die höchste verfügbare Schutzart zu wählen. Die richtige Lösung ergibt sich aus Einbauort, Wasser- und Staubbelastung, Temperatur sowie weiteren Umgebungsbedingungen.

Bei Netzteilen und Netzleitungen für industrielle Anwendungen sollte deshalb immer das gesamte Einsatz- und Anschlusskonzept betrachtet werden.




Kennzeichnungspflicht nach Art. 50 KI-VO: Mit Unterstützung von KI erstellt