RoHS erklärt: Bedeutung, Stoffe und Anforderungen

Wer elektrische oder elektronische Produkte entwickelt, einkauft oder in Verkehr bringt, stößt früher oder später auf RoHS. Die Abkürzung steht für Restriction of Hazardous Substances und beschreibt die Beschränkung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten.

Die wichtigste Rechtsgrundlage ist die europäische RoHS-Richtlinie 2011/65/EU in der jeweils geltenden Fassung. Für Unternehmen ist dabei vor allem eines wichtig: RoHS betrifft nicht nur das fertige Gerät. Auch Leitungen, Steckverbinder, Kunststoffe und andere Einzelkomponenten können für die Konformität entscheidend sein.

Was bedeutet RoHS?

RoHS begrenzt den Einsatz bestimmter Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten. Entscheidend ist dabei nicht das Gesamtgewicht des Produkts, sondern der jeweilige homogene Werkstoff.

Das ist in der Praxis relevant, weil ein Produkt oft aus vielen unterschiedlichen Materialien besteht. Bei einer Netzleitung können zum Beispiel Leiter, Isolation, Mantel, Kontakte und Kunststoffteile getrennt betrachtet werden.

Welche Stoffe beschränkt RoHS?

Aktuell umfasst RoHS zehn Stoffe beziehungsweise Stoffgruppen:

StoffHöchstkonzentration im homogenen Werkstoff
Blei (Pb)0,1 %
Quecksilber (Hg)0,1 %
Cadmium (Cd)0,01 %
Sechswertiges Chrom (Cr VI)0,1 %
Polybromierte Biphenyle (PBB)0,1 %
Polybromierte Diphenylether (PBDE)0,1 %
Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP)0,1 %
Benzylbutylphthalat (BBP)0,1 %
Dibutylphthalat (DBP)0,1 %
Diisobutylphthalat (DIBP)0,1 %

Auffällig ist vor allem Cadmium. Hier liegt der zulässige Grenzwert deutlich niedriger als bei den übrigen Stoffen.

Was ist ein homogener Werkstoff?

Ein homogener Werkstoff ist vereinfacht gesagt ein Material mit einheitlicher Zusammensetzung.

Bei einer Leitung kann das beispielsweise der Kupferleiter, die Aderisolation oder der Außenmantel sein. Diese Materialien werden getrennt bewertet. Der Stoffanteil im gesamten Produkt ist deshalb nicht ausschlaggebend.

Gerade bei Kunststoffen lohnt sich ein genauer Blick auf die Materialauswahl. PUR, PVC, TPE und FEP als Kabelmantel-Materialien unterscheiden sich nicht nur mechanisch und thermisch, sondern auch in ihrer Zusammensetzung und ihrem typischen Einsatzbereich.

Für welche Produkte gilt RoHS?

RoHS gilt für viele Elektro- und Elektronikgeräte innerhalb des festgelegten Anwendungsbereichs. Dazu gehören unter anderem IT-Technik, Haushaltsgeräte, medizinische Geräte, Überwachungs- und Kontrolltechnik sowie zahlreiche industrielle Produkte.

Es gibt allerdings Ausnahmen. Bestimmte Produktgruppen oder Anwendungen können vom Geltungsbereich ausgenommen sein oder unter besondere Ausnahmeregelungen fallen.

Für Unternehmen bedeutet das: Nicht einfach pauschal annehmen, dass jedes elektrische Produkt identisch behandelt wird. Der konkrete Anwendungsbereich muss geprüft werden.

Gilt RoHS auch für Kabel und Netzleitungen?

Ja. Kabel können vom Anwendungsbereich der RoHS-Richtlinie erfasst sein und spielen auch als Bestandteil eines Geräts eine wichtige Rolle.

Das ist bei Netzleitungen besonders relevant, weil mehrere Materialien zusammenkommen. Neben dem Leiter selbst können Isolation, Mantel, Kontaktmaterialien, Beschichtungen oder Steckerkörper relevant sein.

RoHS sollte deshalb bereits bei der Auswahl von Netzleitungen berücksichtigt werden. Welche Leitung technisch passt, hängt zusätzlich von Spannung, Strombelastbarkeit, Einsatzbedingungen und Zulassungen ab. Auch die Leitungskennzeichnungen nach VDE und IEC helfen bei der Einordnung verschiedener Leitungstypen.

Was bedeutet RoHS-konform?

RoHS-konform bedeutet, dass die für das Produkt geltenden Anforderungen eingehalten werden. Dazu gehört vor allem, dass die beschränkten Stoffe die zulässigen Grenzwerte nicht überschreiten, sofern keine gültige Ausnahme greift.

Wichtig ist die Abgrenzung: RoHS-konform heißt nicht automatisch REACH-konform, halogenfrei oder weltweit zugelassen.

Gerade im Einkauf sollten diese Begriffe nicht vermischt werden. Eine Netzleitung kann RoHS-konform sein und trotzdem weitere Anforderungen erfüllen müssen.

RoHS und CE-Kennzeichnung

Bei Produkten, die in den Anwendungsbereich von RoHS fallen, ist die Richtlinie Teil der europäischen Konformitätsbewertung.

Der Hersteller muss die einschlägigen Vorschriften bestimmen, die Konformität bewerten und die erforderliche technische Dokumentation erstellen. Dazu gehört in vielen Fällen auch die EU-Konformitätserklärung.

Das CE-Zeichen ist dabei kein eigenes RoHS-Prüfsiegel. Es zeigt vielmehr, dass der Hersteller die Verantwortung dafür übernimmt, dass das Produkt die einschlägigen europäischen Anforderungen erfüllt.

Welche Pflichten haben Hersteller, Importeure und Händler?

Hersteller müssen nachweisen können, dass ihr Produkt die geltenden Anforderungen erfüllt. Dafür sind technische Unterlagen und belastbare Informationen aus der Lieferkette entscheidend.

Importeure müssen prüfen, ob die erforderlichen Konformitätsschritte durchgeführt wurden. Händler wiederum dürfen erkennbare nichtkonforme Produkte nicht einfach weiter vertreiben.

In der Praxis sollte RoHS deshalb möglichst früh in Einkauf und Lieferantenmanagement integriert werden. Spätestens bei Material- oder Lieferantenwechseln muss geprüft werden, ob bestehende Nachweise noch gültig sind.

Wie wird RoHS-Konformität nachgewiesen?

Ein RoHS-Nachweis besteht selten nur aus einem einzigen Dokument.

Typisch sind Kombinationen aus:

  • Materialdeklarationen
  • Lieferantenerklärungen
  • Prüfberichten
  • Laboranalysen
  • Stücklisten
  • Materialdaten
  • technischen Unterlagen

Nicht jede Komponente muss bei jeder Lieferung erneut im Labor geprüft werden. Entscheidend ist ein nachvollziehbares Verfahren, mit dem die Konformität über die Lieferkette hinweg belegt werden kann.

Welche Ausnahmen gibt es?

RoHS arbeitet nicht ausschließlich mit pauschalen Verboten.

Für bestimmte Anwendungen können Ausnahmen gelten, wenn ein Ersatz technisch nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Solche Ausnahmen finden sich unter anderem in den Anhängen III und IV der Richtlinie.

Viele dieser Ausnahmen sind zeitlich befristet. Wird rechtzeitig eine Verlängerung beantragt, kann eine bestehende Ausnahme während der laufenden Prüfung weiterhin gelten, bis über den Antrag entschieden wurde. Unternehmen sollten daher nicht nur das ursprüngliche Ablaufdatum betrachten, sondern auch prüfen, ob ein Verlängerungsverfahren läuft und welcher aktuelle Rechtsstand gilt.

Gerade bei Produkten mit langen Lebenszyklen oder bereits etablierten Serien ist eine regelmäßige Prüfung sinnvoll. So lässt sich vermeiden, dass sich eine technische Auslegung auf eine Ausnahme stützt, die später entfällt oder geändert wird.

RoHS 1, RoHS 2 und RoHS 3

Diese Begriffe tauchen häufig in Datenblättern auf, sind aber nicht immer eindeutig.

RoHS 1 bezeichnet meist die ursprüngliche Richtlinie 2002/95/EG.

RoHS 2 steht üblicherweise für die Neufassung 2011/65/EU.

RoHS 3 ist dagegen kein offizieller Titel einer komplett neuen Richtlinie. Gemeint ist meist die Erweiterung durch (EU) 2015/863, mit der DEHP, BBP, DBP und DIBP ergänzt wurden.

Für technische Unterlagen ist es daher besser, die konkrete Rechtsgrundlage zu nennen, statt nur „RoHS 3“ zu schreiben.

Was ist der Unterschied zwischen RoHS und REACH?

RoHS und REACH werden oft zusammen genannt, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze.

RoHS konzentriert sich auf bestimmte Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten.

REACH ist deutlich breiter und regelt den Umgang mit chemischen Stoffen innerhalb der EU.

Ein Produkt kann also RoHS-konform sein und trotzdem zusätzliche Anforderungen aus REACH erfüllen müssen.

RoHS-konform bedeutet nicht halogenfrei

Auch diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt.

RoHS beschränkt klar definierte Stoffe. Eine generelle Halogenfreiheit fordert die Richtlinie nicht.

Bei halogenfreien oder LSZH-Leitungen geht es dagegen vor allem um das Verhalten im Brandfall. Wer solche Eigenschaften benötigt, muss sie zusätzlich spezifizieren. Die LSZH-Kabel für industrielle Anwendungen sind deshalb ein separates Thema.

Warum ist RoHS bei Netzleitungen wichtig?

Eine Netzleitung besteht aus mehr Komponenten, als man auf den ersten Blick vermutet.

Neben dem Leiter selbst gehören dazu beispielsweise Aderisolation, Außenmantel, Steckerkörper, Kontakte, Beschichtungen und Zugentlastungen. Bei konfektionierten Leitungen muss deshalb die gesamte Kombination betrachtet werden.

Das zeigt sich gut bei Kaltgerätekabeln und ihrem Aufbau. Hier müssen Leitung, Stecker und Gerätekupplung nicht nur elektrisch zusammenpassen, sondern auch die jeweils relevanten Material- und Zulassungsanforderungen erfüllen.

Für besondere Anwendungen können Netz- und Anschlussleitungen nach Maß so spezifiziert werden, dass Leitungstyp, Querschnitt, Länge und Stecksystem zur jeweiligen Anwendung passen.

Was sollten Unternehmen beim Einkauf beachten?

RoHS sollte im Einkauf nicht nur als formales Häkchen behandelt werden.

Sinnvoll ist es, die Anforderungen klar zu definieren und belastbare Nachweise vom Lieferanten einzufordern. Ebenso wichtig ist es, Änderungen bei Materialien oder Unterlieferanten im Blick zu behalten.

Bei Netzleitungen kommen neben RoHS häufig weitere Themen hinzu. Dazu gehören unter anderem die VDE-Normen für Netzleitungen, Anforderungen an den Zielmarkt, Brandschutz oder Halogenfreiheit.

Je früher diese Punkte gemeinsam betrachtet werden, desto geringer ist das Risiko, dass eine technisch passende Leitung später an Dokumentations- oder Zulassungsanforderungen scheitert.

RoHS richtig einordnen

RoHS ist kein isoliertes Prüfkriterium, sondern Teil der gesamten Produkt- und Lieferkettenbewertung.

Bei Kabeln und Netzleitungen ist vor allem wichtig, die einzelnen Materialien getrennt zu betrachten. Genau hier liegt häufig der Unterschied zwischen einer oberflächlichen „RoHS-konform“-Angabe und einer wirklich belastbaren technischen Bewertung.

Für Hersteller und Einkäufer bedeutet das: Materialauswahl, Lieferantennachweise und Produktanforderungen sollten von Anfang an zusammen gedacht werden.

FAQ zu RoHS

Welche Stoffe beschränkt RoHS?

Aktuell sind zehn Stoffe beziehungsweise Stoffgruppen beschränkt: Blei, Quecksilber, Cadmium, sechswertiges Chrom, PBB, PBDE sowie DEHP, BBP, DBP und DIBP.

Gilt RoHS auch für Netzleitungen?

Ja. Kabel und Netzleitungen können vom Anwendungsbereich erfasst sein und als Bestandteil eines Elektro- oder Elektronikprodukts relevant sein.

Ist RoHS dasselbe wie REACH?

Nein. RoHS betrifft bestimmte Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten, REACH das Chemikalienrecht deutlich umfassender.

Bedeutet RoHS-konform automatisch halogenfrei?

Nein. Beide Anforderungen sind voneinander unabhängig.

Ist „RoHS 3“ eine eigene Richtlinie?

Nein. Gemeint ist meist die Erweiterung der Stoffliste durch die Richtlinie (EU) 2015/863.



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