Was bedeutet IP68 – und was fordert die Schutzart konkret?
Die Schutzart IP68 steht für zwei definierte Schutzeigenschaften:
- 6 = vollständig staubdicht
- 8 = Schutz gegen dauerhaftes Untertauchen, basierend auf herstellerspezifischen Vorgaben
Während IP67 nur zeitweises Untertauchen beschreibt, muss ein IP68-System eine deutlich höhere Belastbarkeit nachweisen. Hersteller definieren Prüftiefe und -dauer selbst, häufig 1–3 m für 30–120 Minuten, Premiumsysteme noch höher.
Typische Einsatzumgebungen:
- stehende Nässe (Gullys, Schächte, Bewässerungssysteme)
- dauerhaft feuchte oder kondensationsreiche Bereiche
- Outdoor-Sensorik und Beleuchtung
- Pumpen, Brunnen, Springbrunnenanlagen
- vibrierende Maschinen und Fahrzeugtechnik
Zentrale Anforderungen an IP68-Steckverbindungen
Eine IP68-Steckverbindung funktioniert nur als Gesamtsystem. Dichtheit entsteht durch Zusammenspiel von Steckerdesign, Dichtmaterial, Kabelmantel, Verschraubung, Zugentlastung und korrekter Montage.
Ergänzende Anforderungen, die in der Praxis oft unterschätzt werden
- Vibrations- und Schockfestigkeit (IEC 60068)
- Korrosionsbeständigkeit (Salzsprühnebel IEC 60068-2-11)
- Steckzyklen-Beständigkeit: hochwertige Systeme 1.000–5.000 Zyklen
- EMV-Verhalten: Feuchte, Schirmungsunterbrechungen, lange Leitungen
1. Dichtkonzepte: O-Ringe, Mehrfachdichtungen, Gel- und Vergusslösungen
Hochwertige IP68-Steckverbinder nutzen mehrere redundante Dichtstufen:
- radial wirkende O-Ringe
- axiale Dichtlippen
- Pressdichtungen in der Zugentlastung
- zweistufige Dichtungskammern
- Gel-Dichtsysteme (wasserverdrängend)
- Vergusslösungen (Potting) für Extremanwendungen
2. Materialwahl für Gehäuse und Kontakte
Gehäusematerialien:
- PA6 / PA66: robust, leichte Verarbeitung, begrenzte UV-Beständigkeit
- PUR: sehr abriebfest und feuchtebeständig
- Metall (Messing, Edelstahl): maximale Robustheit für Industrie / maritime Umgebung
Kontaktmaterialien:
- CuSn- und CuZn-Legierungen mit Zinn- oder Goldbeschichtung
Wichtige Zusatzaspekte:
- galvanische Korrosion bei Metallmischungen
- UV-Oxidation bei unstabilisierten Kunststoffen
- Goldkontakte für empfindliche Signaltechnik
3. Kabelauswahl und Mantelmaterial
Der Kabelmantel entscheidet häufig über Erfolg oder Ausfall der gesamten IP68-Verbindung.
| Einsatz | Mantelmaterial | Hinweise |
|---|---|---|
| Dauerfeuchte | PUR, Gummi | sehr geringe Wasseraufnahme |
| Outdoor | PUR, TPE | UV-beständig, abriebfest |
| Chemikalien | spezialisiertes PUR | abhängig vom Medium |
| Erdreich | PE, PUR | resistent gegen Mikroorganismen |
Wichtig: Ein IP68-Stecker mit PVC-Kabel ist kein dauerhaftes IP68-System im Außenbereich.
4. Mechanische Belastbarkeit, Vibrationsfestigkeit & Steckzyklen
- Schraubzugentlastungen mit definiertem Klemmbereich
- Drehmomentkontrolle für konstante O-Ring-Kompression
- Verdrehschutz für vibrationsbelastete Installationen
- Torsionsfestigkeit bei bewegten Leitungen
- Vibrationsfestigkeit (IEC 60068)
- Steckzyklen >1.000 empfohlen
5. Temperaturbereich, Thermodynamik & chemische Einflüsse
Temperaturwechsel verursachen:
- verhärtete Dichtungen bei Kälte
- reduzierte Dichtkraft bei Hitze
- Unterdruckeffekte → Feuchte wird „eingesaugt“
- chemische Alterung des Kabelmantels
Empfohlen: –40 °C bis +85 °C.
6. IP68-Prüfung – was wird tatsächlich bewertet?
- Untertauchen in definierter Tiefe und Zeit
- Temperaturwechseltests
- Druckimpulse
- Vibrations- und Schockbelastung
Die Norm beschreibt nur Prüfbedingungen, keinen garantierten Dauerbetrieb unter denselben Bedingungen.
Einsatzbereiche
- Außenbeleuchtung & Fassadentechnik
- Pumpen, Schächte, Teichanlagen
- Landwirtschaft & Gewächshaus
- Maschinenbau & Fördertechnik
- maritime Installationen & Hafenbereiche
- Tunnel, Brücken & Verkehrstechnik
- mobile Arbeitsmaschinen
- Outdoor-Telekommunikation (5G, Schaltschränke)
- Lebensmittel- & Reinigungstechnik
Checkliste: Wann ist IP68 unverzichtbar?
- direkter Wasserkontakt
- dauerfeuchte Umgebung
- Erdreich- oder Unterbodenmontage
- Outdoor ohne Schutzgehäuse
- starke Temperaturwechsel
- Reinigungsprozesse mit Spritzwasser
Vergleich: IP67 vs. IP68 vs. IP69K
| Schutzart | Prüfung | Anwendung | Grenzen |
|---|---|---|---|
| IP67 | 30 min / 1 m | temporäre Feuchte | nicht für Dauerfeuchte |
| IP68 | dauerhaftes Untertauchen | Erdreich, Schächte, Outdoor | keine Dauerimmersion ohne Freigabe |
| IP69K | Hochdruck-/Heißwasser | Hygiene, Reinigung | nicht für Untertauchen |
Entscheidungshilfe: Welche Steckverbindung brauche ich?
- Outdoor ohne stehendes Wasser → IP67, besser IP68
- Dauerfeuchte / Erdreich / Schächte → IP68
- Hochdruckreinigung / Lebensmitteltechnik → IP69K
- mobile Maschinen → IP68 + Bajonett/Schraubverriegelung
- Salzwasser / Winterdienst → IP68 + korrosionsfeste Kontakte
Relevante Normen & Prüfverfahren
- IEC 60529 – Schutzarten
- IEC 60068-2-6 / -2-27 – Vibration & Schock
- IEC 60068-2-11 – Salzsprühnebel
- IEC 60068-2-14 – Temperaturwechsel
- ISO 16750 – Fahrzeugtechnik
- EN 60228 / 60332 – Leitungsaufbau & Brandverhalten
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen IP67 und IP68?
IP67 schützt gegen zeitweises Untertauchen, IP68 gegen dauerhaftes Untertauchen.
Ist IP68 für permanenten Unterwasserbetrieb geeignet?
Nur mit ausdrücklicher Herstellerfreigabe.
Welche Kabel eignen sich für IP68?
PUR, Gummi oder TPE – PVC ist für Außen ungeeignet.
Welche Verriegelung ist ideal?
Für IP68-Anwendungen sind verschraubte Rundsteckverbinder oder Bajonettverriegelungen ideal. Sie halten Vibrationen, Zugkräften und Temperaturwechseln deutlich besser stand als Schnellstecksysteme. Bajonettmechaniken bieten zusätzlich eine fühlbare Verrastung und eignen sich besonders für mobile Maschinen, Outdoor-Technik und Installationen mit häufigem Stecken und Ziehen.
IP68 ist kein einzelner Wert, sondern das Ergebnis eines funktionierenden Gesamtsystems aus Stecker, Kabel, Material und Montage. Wer diese Faktoren beachtet, erhält langlebige, zuverlässige Verbindungen – selbst unter extremen Umgebungsbedingungen.