Dichtungssysteme bei Kabeldurchführungen – Schutz gegen Staub, Wasser und mehr

Was sind Dichtungssysteme bei Kabeldurchführungen?

Dichtungssysteme bei Kabeldurchführungen sind spezialisierte Lösungen, um Leitungen sicher durch Gehäusewände, Schaltschränke oder Maschinen zu führen. Sie verhindern das Eindringen von Staub, Wasser, Gas oder anderen Fremdstoffen ins Geräteinnere. Die Schutzwirkung wird durch Normen wie DIN EN 60529 (IP-Schutzarten) definiert und reicht von einfachem Staubschutz bis hin zur dauerhaften Abdichtung bei Untertauchen (IP68). Wer hier falsch auswählt, riskiert Korrosion, Kurzschlüsse und teure Ausfälle – eine anwendungsbezogene Auswahl zahlt sich direkt aus.

Materialarten und Eigenschaften

Für Dichtungssysteme kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz, die gezielt auf die jeweilige Einsatzumgebung abgestimmt werden. EPDM ist bekannt für seine hohe Beständigkeit gegen UV-Strahlung, Ozon und viele Chemikalien und hält Temperaturen zwischen etwa −40 °C und +120 °C stand. Silikon bietet eine noch höhere Temperaturtoleranz von rund −60 °C bis +200 °C, bleibt dabei flexibel und alterungsbeständig. TPE ist eine wirtschaftliche Lösung, die Elastizität, Abriebfestigkeit und gute mechanische Eigenschaften vereint. Neopren wiederum ist öl- und witterungsbeständig, eignet sich für Temperaturen zwischen etwa −20 °C und +90 °C und wird oft dort eingesetzt, wo moderate UV-Belastung zu erwarten ist. Die Wahl des Materials richtet sich nach Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit, chemischer Belastung und mechanischer Beanspruchung.

Typen von Dichtungssystemen

Dichtungssysteme gibt es in verschiedenen Bauformen, die jeweils spezifische Vorteile bieten. Kabelverschraubungen dichten einzelne Kabel zuverlässig ab und sind in unterschiedlichen Materialien und Schutzarten erhältlich. Teilbare Kabeldurchführungen erlauben die Abdichtung konfektionierter Leitungen, ohne dass Stecker demontiert werden müssen. Kabeldurchführungsplatten fassen mehrere Kabel in einer gemeinsamen Einheit zusammen, was Platz spart und den Einbau beschleunigt. Modulare Mehrkabelsysteme bieten maximale Flexibilität, da sich die Dichtmodule an unterschiedliche Kabeldurchmesser anpassen lassen.

IP-Schutzarten im Überblick

Die IP-Schutzart beschreibt den Grad des Schutzes gegen Fremdkörper und Wasser. Systeme mit IP54 halten Staub in schädigender Menge ab und schützen gegen Spritzwasser – ausreichend für viele Innenanwendungen. IP65 ist komplett staubdicht und widersteht Strahlwasser, während IP66 auch starkem Strahlwasser standhält, wie es etwa in Außenanlagen vorkommt. IP67 schützt zusätzlich bei zeitweiligem Untertauchen, und IP68 bietet Sicherheit bei dauerhaftem Untertauchen, wie sie in Offshore-Anlagen gefordert ist. Die höchste Schutzklasse IP69K ist speziell für Hochdruck- und Dampfreinigungen entwickelt und daher besonders für hygienisch sensible Bereiche wie die Lebensmittelverarbeitung geeignet.

Normen und Zertifikate

Neben der DIN EN 60529 für IP-Schutzarten spielen weitere Normen eine wichtige Rolle. Die DIN EN 62444 definiert Anforderungen an Kabelverschraubungen, während UL-Zertifizierungen vor allem für den nordamerikanischen Markt entscheidend sind. In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie kommen häufig EHEDG– und FDA-Konformitätsnachweise zum Einsatz, die eine hygienegerechte Konstruktion und Materialauswahl bestätigen. Für den Brandschutz sind zudem Zertifikate nach EN 45545 (Bahnfahrzeuge) oder UL 94 (Brennverhalten von Kunststoffen) relevant. Die Beachtung dieser Normen stellt sicher, dass Dichtungssysteme nicht nur den Umwelteinflüssen standhalten, sondern auch gesetzlichen und branchenspezifischen Vorgaben entsprechen.

Montagevorteile moderner Systeme

Moderne Dichtungssysteme verbinden hohen Schutz mit einfacher Handhabung. Viele Modelle sind so konstruiert, dass sie ohne Werkzeuge montiert werden können. Das spart Zeit und reduziert den Aufwand bei der Installation und beim Kabelwechsel. Eine hohe Packungsdichte ermöglicht die Durchführung vieler Leitungen auf engem Raum. Vor allem teilbare Systeme erleichtern Nachrüstungen erheblich, da vorhandene Stecker nicht entfernt werden müssen.

Einsatzbranchen und besondere Anforderungen

Die Anwendungsfelder sind vielfältig. In der Industrie und im Maschinenbau sorgen Dichtungssysteme für die sichere Führung von Kabeln in Schaltschränken und Steuergehäusen. In der Lebensmittel- und Pharmaindustrie kommen hygienische Systeme zum Einsatz, die strenge Normen wie EHEDG oder FDA erfüllen. Die Bahn- und Fahrzeugtechnik setzt auf witterungs- und vibrationsbeständige Lösungen, während in der Marine- und Offshore-Technik vor allem Korrosions- und Wasserschutz im Vordergrund stehen.

Praxisbeispiele

IP69K-Systeme in der Lebensmittelverarbeitung, teilbare Durchführungen im Maschinenbau, IP68/69K-Lösungen in Offshore-Windanlagen, vibrationsfeste Systeme in Schienenfahrzeugen – jeweils mit messbar reduzierten Ausfällen und geringerem Wartungsaufwand.


Moderne Dichtungssysteme steigern Betriebssicherheit und Anlagenverfügbarkeit deutlich, wenn Material, Bauform und Schutzart korrekt gewählt werden. Lassen Sie Ihre Kabeldurchführungen jetzt prüfen und erhalten Sie eine konkrete Empfehlung für das passende Dichtungssystem – abgestimmt auf Umgebung, Normen und Lebensdaueranforderungen.



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