Kabelschutzschläuche werden eingesetzt, wenn Leitungen im Betrieb stärker beansprucht werden. Im Maschinen- und Anlagenbau können Bewegung, Abrieb, Schmutz, Feuchtigkeit, Betriebsmedien oder Temperaturschwankungen der Verkabelung zusetzen. Ein geeigneter Schutzschlauch schafft hier eine zusätzliche mechanische Barriere.
Welche Ausführung passt, hängt von der Anwendung ab. Eine fest verlegte Leitung im Schaltschrank stellt andere Anforderungen als eine Leitung an einem bewegten Maschinenteil. Auch Öl, Reinigungsmittel, Späne oder hohe Temperaturen beeinflussen die Auswahl.
Was leistet ein Kabelschutzschlauch?
Der Kabelschutzschlauch umschließt einzelne Leitungen oder ganze Kabelbündel und schützt sie vor äußeren Einwirkungen. Die elektrische Isolation übernimmt weiterhin die Leitung selbst.
Je nach Ausführung kann ein Schutzschlauch unter anderem:
- Abrieb und Scheuern reduzieren
- vor mechanischer Beanspruchung schützen
- Staub und Schmutz von der Leitung fernhalten
- den Kontakt mit Feuchtigkeit begrenzen
- gegenüber bestimmten Ölen und Chemikalien beständig sein
- die Leitungsführung strukturieren
- zusätzliche Sicherheit bei thermischen Belastungen bieten
Welche Eigenschaften tatsächlich erreicht werden, hängt vom Material und vom konkreten Produkt ab.
Kabelschutz ist deshalb immer Teil der gesamten Leitungsführung. Befestigung, Zugentlastung und Biegeradien sollten genauso mitgedacht werden wie andere Aspekte des Kabelmanagements in Industrieanlagen.
Wo werden Kabelschutzschläuche eingesetzt?
Schutzschläuche finden sich in zahlreichen industriellen Bereichen. Besonders sinnvoll sind sie dort, wo Leitungen mechanischen Belastungen oder ungünstigen Umgebungsbedingungen ausgesetzt sind.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Maschinen- und Anlagenbau
- Automatisierungstechnik
- Produktionsanlagen
- Schaltschrankbau
- Gerätebau
- Fahrzeugtechnik
- Außenanwendungen
- Lebensmittel- und Prozessindustrie
Dabei sollte der Schutzschlauch immer auf die verwendete Leitung abgestimmt werden. Auch der Kabelmantel selbst beeinflusst, wie gut eine Leitung mit Abrieb, Chemikalien oder hohen und niedrigen Temperaturen zurechtkommt. Je nach Anwendung kommen dafür beispielsweise PUR, PVC, TPE oder FEP infrage.
Welche Arten von Kabelschutzschläuchen gibt es?
Die Bauform bestimmt wesentlich, wie flexibel und belastbar der Kabelschutz ist. In der Praxis kommen vor allem Wellrohre, Geflechtschläuche, Spiralschläuche und metallische Schutzschläuche zum Einsatz.
Kunststoff-Wellrohre
Wellrohre besitzen eine profilierte Oberfläche. Dadurch lassen sie sich biegen und bieten gleichzeitig einen guten mechanischen Schutz.
Als Werkstoffe kommen beispielsweise Polyamid oder Polypropylen infrage. Welche Temperatur- und Medienbeständigkeit erreicht wird, hängt von der jeweiligen Materialausführung ab.
Geschlossene Wellrohre eignen sich gut für Neuinstallationen. Geschlitzte Varianten lassen sich auch nachträglich über bereits verlegte Leitungen legen.
Geflechtschläuche
Geflechtschläuche bestehen aus miteinander verflochtenen Filamenten und sind besonders flexibel. Häufig wird PET eingesetzt.
Sie eignen sich gut, wenn mehrere Leitungen gebündelt und gegen Scheuern geschützt werden sollen. Das Geflecht passt sich dem Kabelbündel an und benötigt vergleichsweise wenig Bauraum.
Durch die offene Struktur schützt ein klassischer Geflechtschlauch jedoch nicht zuverlässig gegen eindringendes Wasser oder feinen Staub.
Spiralschläuche
Spiralschläuche werden um bereits vorhandene Kabel oder Leitungsbündel gewickelt. Dadurch können sie einfach nachgerüstet werden.
Praktisch ist diese Bauform vor allem dann, wenn einzelne Leitungen an unterschiedlichen Stellen aus dem Bündel herausgeführt werden müssen.
Für stark mechanisch belastete Bereiche oder Anwendungen mit erhöhten Anforderungen an die Dichtheit sind geschlossene Systeme meist besser geeignet.
Metallschutzschläuche
Bei hohen mechanischen oder thermischen Belastungen können metallische Schutzschläuche sinnvoll sein. Je nach Bauart bestehen sie beispielsweise aus Stahl oder Edelstahl.
Sie bieten einen robusten Schutz bei Druck, Stoß und anspruchsvollen Umgebungsbedingungen. Je nach Konstruktion können metallische Systeme außerdem Bestandteil eines EMV-Konzepts sein.
Im Vergleich zu Kunststofflösungen sind sie in der Regel schwerer und je nach Bauform weniger flexibel.
Kabelschutzschläuche im Vergleich
| Ausführung | Flexibilität | Mechanischer Schutz | Nachrüstung | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Kunststoff-Wellrohr | hoch | hoch | je nach Ausführung | Maschinen- und Anlagenbau |
| Geflechtschlauch | sehr hoch | mittel bis hoch | gut | Kabelbündel und Abriebschutz |
| Spiralschlauch | hoch | gering bis mittel | sehr gut | Bündelung und Abzweigungen |
| Metallschutzschlauch | abhängig von der Bauform | sehr hoch | bedingt | hohe mechanische oder thermische Belastung |
Diese Einordnung dient als Orientierung. Maßgeblich sind immer die technischen Daten des konkreten Produkts.
Welche Materialien kommen infrage?
Polyamid
Polyamid ist bei industriellen Wellrohren weit verbreitet. Abhängig von der genauen Ausführung verbindet das Material mechanische Festigkeit mit Flexibilität und guter Beständigkeit gegenüber verschiedenen Betriebsbedingungen.
PA6 und PA12 gehören zu den häufig verwendeten Varianten. Sie unterscheiden sich unter anderem bei Feuchtigkeitsaufnahme, Flexibilität und Temperaturverhalten.
Polypropylen und Polyethylen
PP und PE werden ebenfalls für Kabelschutzsysteme verwendet. Je nach Ausführung können sie interessant sein, wenn geringes Gewicht, Wirtschaftlichkeit oder bestimmte chemische Eigenschaften gefragt sind.
Ob ein Schlauch für die konkrete Anwendung geeignet ist, sollte anhand der Herstellerdaten beurteilt werden.
PET
PET findet sich besonders häufig bei Geflechtschläuchen. Es ermöglicht leichte und flexible Lösungen für Kabelbündel und bietet einen guten Schutz gegen Scheuern.
Metall
Stahl und Edelstahl kommen zum Einsatz, wenn mechanische Robustheit oder erhöhte Temperaturbeständigkeit gefragt sind. Edelstahl ist außerdem für Anwendungen interessant, bei denen Korrosion eine Rolle spielt.
So wählen Sie den passenden Kabelschutzschlauch aus
Bei der Auswahl sollten Sie nicht mit dem Durchmesser beginnen, sondern mit den Bedingungen in der Maschine oder Anlage.
Wie stark wird die Leitung mechanisch belastet?
Geht es hauptsächlich darum, Scheuerstellen zu vermeiden? Oder können Späne, Druck, Stoß oder starke Vibrationen auftreten?
Aus der Belastung ergibt sich, wie robust der Schutz aufgebaut sein muss.
Ist die Leitung in Bewegung?
Bei bewegten Leitungen muss der Schutzschlauch die Bewegung mitmachen, ohne die Leitung unnötig zu versteifen.
Beachten Sie deshalb die zulässigen Biegeradien von Leitung und Schutzsystem. Besonders bei wiederkehrenden Bewegungen sollten dafür ausgelegte Komponenten verwendet werden.
Welche Temperaturen treten auf?
Relevant ist nicht nur die Umgebungstemperatur. Motoren, Maschinenbauteile und Produktionsprozesse können lokal deutlich höhere Temperaturen verursachen.
Bei Außenanlagen kommen dagegen häufig große Temperaturschwankungen hinzu.
Gibt es Kontakt mit Ölen oder Chemikalien?
Schmierstoffe, Kühlmittel, Hydrauliköle und Reinigungsmedien gehören in vielen Betrieben zum Alltag.
Eine pauschale Angabe wie „chemikalienbeständig“ genügt für die Auswahl nicht. Entscheidend ist, ob das Material gegenüber dem tatsächlich eingesetzten Medium unter den vorhandenen Bedingungen geeignet ist.
Müssen Staub oder Feuchtigkeit ferngehalten werden?
Soll ein Kabelweg gegen eindringenden Staub oder Wasser geschützt werden, muss das komplette System betrachtet werden.
Der Schutzschlauch allein bestimmt nicht die IP-Schutzart. Anschlüsse, Verschraubungen, Dichtungen und der Übergang zum Gehäuse gehören ebenfalls dazu. Gerade bei anspruchsvollen Umgebungen spielen deshalb auch geeignete Dichtungssysteme bei Kabeldurchführungen eine wichtige Rolle.
Gibt es EMV-Anforderungen?
Ein Kunststoff-Schutzschlauch ist keine EMV-Abschirmung.
Bei empfindlichen Signal- und Datenleitungen oder in der Nähe leistungsstarker Störquellen muss die elektromagnetische Verträglichkeit separat betrachtet werden. Dazu gehören unter anderem Kabelschirmung, Schirmanbindung, Erdung und Leitungsführung. Diese Punkte greifen unmittelbar in eine EMV-gerechte Verkabelung ein.
Wie wichtig ist die spätere Zugänglichkeit?
Auch Wartung und Umbauten spielen bei der Auswahl eine Rolle.
Wer Leitungen regelmäßig ergänzt oder austauscht, profitiert möglicherweise von geschlitzten oder offenen Systemen. Wird dagegen ein möglichst geschlossener Schutz benötigt, ist eine vollständig umschließende Lösung sinnvoller.
Kabelschutzschläuche richtig dimensionieren
Zu knapp sollte ein Kabelschutzschlauch nicht bemessen werden. Ein sehr enges System erschwert die Montage und kann die Beweglichkeit der Leitungen einschränken.
Bei der Dimensionierung sollten Sie berücksichtigen:
- Anzahl der Leitungen
- Außendurchmesser der einzelnen Kabel
- vorhandene Stecker und Anschlüsse
- erforderliche Biegeradien
- Bewegungsfreiheit
- mögliche spätere Erweiterungen
Bei konfektionierten Leitungen ist außerdem wichtig, ob bereits montierte Steckverbinder durch den Schlauch geführt werden können. Ist das nicht möglich, kann ein teilbares oder geschlitztes Schutzsystem die bessere Lösung sein.
Welche Normen spielen bei Kabelschutzschläuchen eine Rolle?
Für Elektroinstallationsrohrsysteme ist unter anderem die Normenreihe DIN EN 61386 relevant. DIN EN 61386-1 enthält allgemeine Anforderungen und Prüfungen für Rohrsysteme und Rohrzubehör zum Schutz und zur Führung isolierter Leiter und Kabel. Sie erfasst metallene, nichtmetallene und gemischte Systeme.
Abhängig von Maschine, Branche und Absatzmarkt können weitere Vorgaben hinzukommen. Dazu gehören beispielsweise Anforderungen an:
- Brandverhalten
- Halogenfreiheit
- internationale Zulassungen
- bestimmte Temperaturbereiche
- mechanische Belastbarkeit
- besondere Industrieumgebungen
Welche Normen und Zertifikate tatsächlich erforderlich sind, muss daher für die konkrete Anwendung geprüft werden.
Typische Fehler bei der Auswahl
Nur auf den Durchmesser achten
Ein Schlauch kann von den Abmessungen her passen und trotzdem für die Umgebung ungeeignet sein. Temperatur, Bewegung und Medienkontakt sind genauso wichtig.
Leitung und Schutzschlauch getrennt betrachten
Ein robuster Schutzschlauch kann einen ungeeigneten Kabelmantel nicht ausgleichen. Beide Komponenten müssen zu den Einsatzbedingungen passen.
Biegeradien unterschätzen
Gerade bei bewegten Leitungen kann ein zu steifes oder zu eng verlegtes Schutzsystem zusätzliche Belastungen verursachen.
Beständigkeit zu allgemein beurteilen
Ob ein Material gegen ein Medium beständig ist, hängt nicht nur vom Stoff selbst ab. Konzentration, Temperatur und Einwirkdauer können das Verhalten ebenfalls beeinflussen.
Eine IP-Schutzart allein dem Schlauch zuschreiben
Die Dichtheit entsteht durch das Zusammenspiel aus Schutzschlauch, Anschlüssen, Dichtungen und Gehäuse. Eine IP-Angabe sollte deshalb immer auf das tatsächlich spezifizierte System bezogen werden.
Kabelschutz am besten früh mitplanen
Wird der notwendige Kabelschutz bereits während der Konstruktion berücksichtigt, lassen sich Bauraum, Befestigung, Biegeradien und Anschlusspunkte passend auslegen.
Bei einer nachträglichen Installation sind diese Bedingungen häufig schon vorgegeben. Das schränkt die Auswahl ein und kann die Montage erschweren.
Das gilt auch für die Leitung selbst: Wenn bereits feststeht, dass sie starken mechanischen, thermischen oder chemischen Belastungen ausgesetzt wird, sollte ihr Aufbau von Anfang an dazu passen.
Bei Netzleitungen für industrielle Anwendungen sollten Leitung, Anschlusstechnik und der vorgesehene Kabelschutz deshalb möglichst gemeinsam betrachtet werden.
Häufige Fragen zu Kabelschutzschläuchen
Was ist der Unterschied zwischen Kabelschutzschlauch und Wellrohr?
Kabelschutzschlauch ist ein Oberbegriff für verschiedene Schutzsysteme. Das Wellrohr ist eine bestimmte Bauform mit profilierter Oberfläche. Daneben gibt es beispielsweise Geflecht-, Spiral- und Metallschutzschläuche.
Welcher Kabelschutzschlauch eignet sich für Maschinen?
Das hängt von der Anwendung ab. Mechanische Belastung, Bewegung, Temperatur und Medienkontakt bestimmen, welche Bauform und welches Material geeignet sind. Kunststoff-Wellrohre werden in zahlreichen Maschinenanwendungen eingesetzt. Bei besonders hoher mechanischer oder thermischer Belastung können metallische Systeme sinnvoll sein.
Sind Kabelschutzschläuche wasserdicht?
Nicht grundsätzlich. Offene Geflecht- und Spiralsysteme sind beispielsweise nicht wasserdicht. Bei geschlossenen Systemen hängt die erreichbare Schutzwirkung zusätzlich von Anschlüssen, Dichtungen und Gehäuseübergängen ab.
Welcher Kabelschutz eignet sich für bewegte Leitungen?
Bei bewegten Anwendungen muss der Schutzschlauch ausreichend flexibel sein und die vorgesehenen Bewegungen dauerhaft vertragen. Biegeradius und dynamische Belastbarkeit sollten anhand der technischen Herstellerangaben geprüft werden.
Können Kabelschutzschläuche vor Chemikalien schützen?
Ja, sofern der eingesetzte Werkstoff gegenüber dem konkreten Medium geeignet ist. Dabei müssen auch Konzentration, Temperatur und Einwirkdauer berücksichtigt werden.
Schirmt ein Kabelschutzschlauch elektromagnetische Störungen ab?
Ein gewöhnlicher Kunststoff-Schutzschlauch übernimmt keine EMV-Abschirmung. Dafür sind entsprechend aufgebaute Leitungen oder leitfähige Schutzsysteme sowie eine fachgerechte Schirmanbindung erforderlich.
Welche Norm ist für Kabelschutzschläuche relevant?
Für Elektroinstallationsrohrsysteme ist unter anderem DIN EN 61386 relevant. Welche weiteren Normen oder Zulassungen gelten, hängt von Einsatzgebiet, Konstruktion und Branche ab.