Gummikabel werden überall dort eingesetzt, wo eine Leitung mehr aushalten muss als bei einem klassischen Geräteanschluss im Innenbereich. Sie bleiben flexibel, vertragen je nach Ausführung mechanische Belastungen und kommen deshalb häufig an Maschinen, mobilen Geräten, in Werkstätten oder im Außenbereich zum Einsatz.
Der Begriff Gummikabel ist allerdings recht allgemein. Technisch genauer spricht man meist von Gummileitungen oder Gummischlauchleitungen. Eine der bekanntesten Ausführungen ist H07RN-F.
Was ist ein Gummikabel?
Bei einem Gummikabel bestehen die Isolierung der einzelnen Adern, der Außenmantel oder beide Komponenten aus Gummi beziehungsweise geeigneten Elastomeren.
Der Vorteil liegt vor allem in der Kombination aus Beweglichkeit und Belastbarkeit. Das macht solche Leitungen interessant für Geräte und Maschinen, deren Anschlussleitung regelmäßig bewegt oder unter raueren Bedingungen eingesetzt wird.
Für die Auswahl einer industriellen Netzleitung ist das Mantelmaterial dennoch nur ein Teil der Entscheidung. Auch Querschnitt, Aderzahl, elektrische Belastung, Stecker, Geräteanschluss und Zulassungen müssen zur Anwendung passen.
Wie ist ein Gummikabel aufgebaut?
Im Inneren unterscheiden sich Gummileitungen zunächst kaum von anderen flexiblen Anschlussleitungen. Mehrere feine Kupferdrähte bilden den Leiter. Dieser feindrähtige Aufbau sorgt dafür, dass sich die Leitung gut bewegen und biegen lässt.
Die einzelnen Leiter sind elektrisch voneinander isoliert. Darüber liegt der Außenmantel, der die Leitung vor äußeren Einflüssen schützt.
Welche Materialien dafür eingesetzt werden, lässt sich häufig bereits an der Leitungskennzeichnung erkennen. Kürzel wie H07RN-F, H05VV-F oder H05RR-F enthalten wichtige Informationen über Spannung, Material und Aufbau. Die Systematik dahinter wird bei den Leitungskennzeichnungen nach VDE und IEC deutlich.
Was bedeutet H07RN-F?
H07RN-F gehört zu den bekanntesten Gummischlauchleitungen und ist für eine Nennspannung von 450/750 Volt ausgelegt.
Die einzelnen Zeichen beschreiben wesentliche Merkmale der Leitung:
- H steht für eine harmonisierte Leitung.
- 07 bezeichnet die Nennspannung von 450/750 Volt.
- R kennzeichnet die Gummi-Aderisolation.
- N steht für einen Außenmantel aus einer widerstandsfähigen Gummimischung.
- F bezeichnet die flexible, feindrähtige Ausführung.
Damit ist H07RN-F ein klar definierter Leitungstyp innerhalb der Gruppe der Gummileitungen.
Warum werden Gummikabel in der Industrie eingesetzt?
An einer feststehenden Maschine in einer sauberen Produktionshalle herrschen andere Bedingungen als auf einer Baustelle, in einer Werkstatt oder an einem mobilen Gerät. Anschlussleitungen können über Böden geführt, regelmäßig bewegt oder mit Feuchtigkeit, Öl und wechselnden Temperaturen konfrontiert werden.
Für solche Bedingungen können Gummileitungen eine passende Lösung sein.
Typische Anwendungen finden sich unter anderem im Maschinen- und Anlagenbau, bei mobilen Werkzeugen, in Werkstätten, in Fertigungsbereichen sowie bei elektrischen Geräten im Außenbereich.
Bei einer individuell ausgelegten Anschlussleitung nach Maß können Leitungstyp, Querschnitt, Länge, Steckerausführung, Geräteanschluss und erforderliche Zulassungen auf das jeweilige Gerät abgestimmt werden.
Kann ein Gummikabel draußen verwendet werden?
Viele Gummischlauchleitungen sind für Anwendungen im Freien ausgelegt. H07RN-F ist dafür ein typisches Beispiel.
Draußen wirken jedoch mehrere Belastungen gleichzeitig auf eine Leitung ein. Sonnenlicht, UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Ozon und starke Temperaturunterschiede können das Mantelmaterial mit der Zeit verändern. Bei dauerhaftem Außeneinsatz sollte deshalb ausdrücklich auf eine geeignete UV-Beständigkeit der Netzleitung geachtet werden.
Die Eignung für den Außenbereich bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Leitung auch für Erdverlegung, dauerhaftes Untertauchen oder aggressive Chemikalien vorgesehen ist.
Sind Gummikabel ölbeständig?
Diese Frage ist besonders im Maschinenbau relevant. In Produktionsumgebungen können Leitungen mit Schmierstoffen, Hydraulikölen oder anderen Betriebsstoffen in Berührung kommen.
Bestimmte Gummischlauchleitungen wie H07RN-F können über eine gute Ölbeständigkeit sowie Witterungs- und Ozonbeständigkeit verfügen. Maßgeblich sind dabei immer die konkrete Leitungsausführung, die verwendete Gummimischung und die tatsächlichen Einsatzbedingungen.
Ähnlich verhält es sich mit Hitze, Feuchtigkeit und UV-Strahlung. Diese Faktoren können die Alterung einer Leitung beschleunigen, wenn Material und Einsatzbedingungen nicht zusammenpassen. Für industrielle Anwendungen ist daher die Kombination aus Werkstoff und Umgebungseinflüssen auf die Netzleitung entscheidend.
Gummikabel oder PVC-Kabel: Was passt besser?
PVC ist für viele Netz- und Geräteanschlüsse nach wie vor eine sinnvolle Wahl. Das Material ist etabliert, wirtschaftlich und für zahlreiche Anwendungen vollkommen ausreichend.
Gummi wird vor allem dann interessant, wenn die Leitung flexibler oder unter anspruchsvolleren Bedingungen eingesetzt werden soll.
Ein klassisches PVC-Kabel kann für ein stationäres Gerät im Innenbereich genau richtig sein. An einer mobilen Maschine, im Außenbereich oder bei höherer mechanischer Beanspruchung kann dagegen eine Gummischlauchleitung besser passen.
Neben PVC und Gummi stehen außerdem Werkstoffe wie PUR und TPE zur Verfügung. Gerade bei hoher Abriebbeanspruchung, Chemikalienkontakt oder sehr dynamischen Anwendungen können diese Alternativen Vorteile bieten. Die Unterschiede zwischen PVC, PUR und TPE als Materialien für Netzleitungen sollten deshalb früh in der Auslegung berücksichtigt werden.
Ist H07RN-F immer die beste Gummileitung?
Nein. H07RN-F ist vielseitig, aber nicht für jede Anwendung optimal.
Bei dauerhaft bewegten Leitungen können Anforderungen an Biegezyklen und Abrieb wichtiger sein. Bei hohen oder sehr niedrigen Temperaturen rückt dagegen die Temperaturbeständigkeit des Mantelmaterials in den Vordergrund.
Auch besondere Chemikalien, hygienisch sensible Anwendungen oder bestimmte internationale Märkte können andere Leitungstypen erforderlich machen.
Worauf kommt es bei der Auswahl eines Gummikabels an?
In der Praxis reichen Angaben wie „flexibel“, „Gummi“ und „für draußen“ für eine zuverlässige Auswahl nicht aus.
Wichtige Fragen sind:
- Welche Spannung liegt an?
- Welche Stromstärke muss die Leitung übertragen?
- Welcher Leiterquerschnitt wird benötigt?
- Wie viele Adern sind erforderlich?
- Wird die Leitung während des Betriebs bewegt?
- Welche Temperaturen treten auf?
- Kommt die Leitung mit Öl, Feuchtigkeit oder Chemikalien in Kontakt?
- Wird sie dauerhaft der Sonne ausgesetzt?
- Welche mechanischen Belastungen entstehen?
- Für welche Länder oder Märkte wird das Gerät produziert?
- Welche Zulassungen werden benötigt?
Neben der Strombelastung spielt dabei auch die richtige Dimensionierung des Leiterquerschnitts eine wichtige Rolle, da ein zu kleiner Querschnitt zu höherer Erwärmung und Spannungsabfall führen kann.
Gerade bei Seriengeräten sollte die Anschlussleitung deshalb als Teil des gesamten Produkts ausgelegt werden.
Gummikabel als Teil einer industriellen Anschlusslösung
Bei Maschinen und industriellen Geräten besteht die Stromversorgung nicht einfach aus einem Kabel. Die komplette Verbindung muss zusammenpassen.
Dazu gehören Netzstecker, Leitung, Querschnitt, Länge, Konfektionierung und Geräteanschluss. Hinzu kommen Anforderungen des Ziellandes sowie nationale und internationale Zulassungen.
COTRONIC projektiert und liefert solche Anschlusslösungen für Gerätehersteller, den Maschinenbau und die Serienfertigung. Je nach Anwendung können Standardausführungen eingesetzt oder Leitung, Stecker und Geräteanschluss passend zur technischen Spezifikation kombiniert werden.
Häufige Fragen zu Gummikabeln
Was versteht man unter einem Gummikabel?
Gummikabel ist eine allgemeine Bezeichnung für elektrische Leitungen, bei denen Gummi oder elastomere Werkstoffe für die Isolation oder den Außenmantel eingesetzt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Gummikabel und H07RN-F?
Gummikabel ist ein Sammelbegriff. H07RN-F bezeichnet einen genau definierten Typ einer flexiblen Gummischlauchleitung mit einer Nennspannung von 450/750 Volt.
Ist H07RN-F für den Außenbereich geeignet?
H07RN-F wird häufig im Außenbereich und unter anspruchsvolleren Bedingungen eingesetzt. Die konkrete Eignung hängt von Temperatur, Feuchtigkeit und mechanischer Belastung ab.
Kann man Gummikabel dauerhaft bewegen?
Flexible Gummileitungen eignen sich für bewegliche Anwendungen. Für dauernde Wechselbiegebewegungen oder Schleppketten müssen jedoch speziell dafür ausgelegte Leitungstypen verwendet werden.
Sind Gummikabel besser als PVC-Kabel?
Nicht grundsätzlich. PVC eignet sich sehr gut für viele Standardanwendungen. Gummileitungen haben Vorteile, wenn höhere Flexibilität oder Widerstandsfähigkeit gegenüber bestimmten Belastungen erforderlich ist.
Welches Gummikabel eignet sich für Maschinen?
Das hängt von Strombelastung, Spannung, Bewegung, Temperatur, Umgebung, Leitungslänge und den erforderlichen Zulassungen ab.